Hilfe, meine Yogaschule hat geschlossen!

Hilfe, meine Yogaschule hat geschlossen!

Eine seltsame Zeit ist das gerade. Die „Corona-Krise“ zwingt das öffentliche Leben fast komplett zum Stillstand. So müssen derzeit leider auch alle Yogaschulen geschlossen bleiben und die Schüler müssen auf ihren Yoga-Unterricht verzichten. Die Online-Yoga-Angebote sprießen seither wie Pilze aus dem Boden, aber irgendwie sind sie natürlich trotzdem nur eine Notlösung. Sie ist toll um das „Community-Feeling“ aufrecht zu halten und den inneren Schweinehund zu motivieren, aber ersetzt den „Live-Unterricht“ vis-a-vis vor einem Lehrer in keinster Weise.

Eine ernstgemeinte Yoga-Praxis lebt davon, die Sinne nach innen zu richten, damit wir uns deutlicher erfahren können, uns auf unseren Atem konzentrieren können und so unser Geist zur Ruhe kommt. Online-Unterricht hingegen ist immer nach außen orientiert, der Schüler kann den Lehrer nur verzerrt wahrnehmen und umgekehrt. Auch Adjustments bzw. Korrekturen von Seiten des Lehrers sind daher über diesen Weg kaum möglich.

Wir möchten euch zu einer beständigen und selbständigen Yogapraxis motivieren, so wie sie auch schon immer gedacht war. Yoga ist da, um innere Freiheiten zu erlangen. Nicht um abhängig zu werden von einer ständigen Anleitung des Lehrers. Unsere Aufgabe als Lehrer besteht darin, die von uns erlernte Yogapraxis mit euch zu teilen, zu vertiefen, zu beobachten und euch immer wieder zu helfen über die Hürden auf dem Yogaweg zu klettern.

Ashtanga Yoga ist glücklicherweise dafür geschaffen auch unabhängig von der permanenten Anwesenheit eines Lehrers zu funktionieren. Deshalb möchten wir Dich dazu ermutigen, Dir gerade jetzt in dieser Zeit eine regelmäßige Homepractice aufzubauen. Auch unabhängig von den Schwierigkeiten, die es uns momentan nicht erlauben eine Shala zu besuchen, gibt es ja auch sonst immer wieder Zeiten in denen Du vielleicht keine Möglichkeit hast in den Unterricht zu kommen. Dann kannst Du von dem was Du Dir jetzt aufgebaut hast profitieren.

Wie baue ich mir eine Homepractice auf?

Falls Du mit dem Thema „Homepractice“ noch überhaupt keine Erfahrung hast und Dich jetzt fragst wie Du das denn am Besten angehst, haben wir hier ein paar Tipps für Dich:

Überfordere Dich nicht

Natürlich ist es toll, wenn Du ab morgen 6x pro Woche Deine komplette Praxis zuhause absolvierst. Keine Frage. Aber für die meisten unter Euch ist diese „von 0 auf 100“-Methode wahrscheinlich eher utopisch und sogar eher demotivierend. Setze Dir also deshalb besser kleine Ziele und verfolge diese dafür konsequent. Nimm Dir z. B. lieber vor, jeden Tag 15 Minuten zu praktizieren, als einmal die Woche 2 Stunden.

Wenn diese 15 Minuten 6x pro Woche easy laufen, dann beginne die Praxis auszuweiten. Versuche Dich auf 30 Minuten pro Tag zu steigern. Wenn das noch zuviel ist, dann kann es z. B. auch so aussehen, dass Du an jedem zweiten Tag 30 Minuten praktizierst, an den anderen weiterhin 15 Minuten. Wenn das zur Routine geworden ist, dann steigere Dich weiter. Bis Du irgendwann eine 6-Tage-Homepractice aufgebaut hast. Egal wann – irgendwann!

Warum eigentlich 6 Tage und nicht 7?

An einem Tag in der Woche solltest Du einen „day-off“ einlegen, also nicht praktizieren. Dieser Tag sollte dann auch wirklich ein Ruhetag sein, damit sich Dein Körper erholen und die Muskeln sich regenerieren können. Wähle also nicht den stressigsten Tag in der Woche als „day-off“, weil Du an diesem keine Zeit hast für die Praxis 😉

Im Idealfall sollte es auch immer derselbe Wochentag sein. Welcher ist egal, nur eben immer derselbe. Sonst neigen wir allzuschnell dazu uns selbst zu betrügen, indem wir ihn hinter einen Moonday oder die „lady-holidays“ packen. Außerdem entsteht sonst keine Routine. Die wiederum ist sehr wichtig, damit Yoga seine volle Wirkung entfalten kann.

Respektiere die Moondays

Der Mond hat einen großen Einfluss auf das Leben. Er bewegt das Wasser und weil auch wir zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, bewegt er auch uns. An Neumond- bzw. Vollmondtagen wird daher traditionell auf die Asana-Praxis verzichtet. Respektiere diese schöne und naturverbundene Tradition und widme Dich an diesen Tagen anderen Dingen, die Dir guttun. Wenn Du eine beständige Praxis hast, wirst Du Dich bestimmt sehr an den Moondays erfreuen 😉

Du möchtest wissen wann die nächsten Moondays sind? Auf unserer Webseite www.ashtangayoga-allgaeu.de findest Du alle aktuellen Daten!

Wie kürze ich die Praxis sinnvoll?

Wie oben bereits erwähnt, bleibt nicht immer die Zeit für die volle 90-Minuten-Praxis. Lass Dich davon aber nicht dazu verleiten dann lieber überhaupt nicht zu praktizieren! Auf keinen Fall! Wirke diesem Gedanken entgegen, indem Du Dir diese tägliche Aufgabe setzt: Du rollst jeden Tag mindestens Deine Matte aus und stellst Dich drauf!!! Und dann siehst Du schon wieviel Zeit Du hast 😉

Immer wieder höre ich von Schülern, dass sie nicht wissen wie sie die Praxis sinnvoll kürzen können wenn weniger Zeit ist. Deshalb hier ein paar Versionen, von der 15-Minuten-Praxis bis zur 60-Minuten-Praxis:

Version 1 – ca. 15 Minuten:

5 x Surya Namaskara A

5 x Surya Namaskara B

dann die letzten 3 Schlusshaltungen (Yogamudra, Padmasana, Uthplutih)

Version 2 – ca. 30 Minuten:

5 x Surya Namaskara A

5 x Surya Namaskarara B

alle Stehhaltungen bis Parsvottanasana

dann die letzten 3 Schlusshaltungen (s.o.)

Version 3 – 45-60 Minuten:

5 x Surya Namaskara A

3-5 x Surya Namaskara B

alle Stehhaltungen + Utkatasana/Virabhadrasana, Paschimottanasana

dann Urdhva Dhanurasana und alle Schlusshaltungen (Schulterstand …)

Wichtig:

Egal für welche Version Du Dich entscheidest, im Anschluss solltest Du Dich unbedingt für einige Minuten in die Schlussentspannung legen. Egal wie wenig Zeit Du hast, DARAN solltest Du niemals sparen! Das ist die Zeit, in der Dein Körper die durch die Praxis getankte Energie in Deinen Zellen speichert. Wenn Du direkt aufspringst und quasi von der Matte in Deinen Alltag hüpfst, geht Dir diese Energie verloren und Du wirst eher ein Gefühl der Erschöpfung als der Energetisierung erfahren.

Lasse außerdem niemals einzelne Haltungen aus, bleibe immer in der Reihenfolge!! Und wenn die Zeit es erlaubt und Du bereits eine regelmäßige Praxis aufgebaut hast, dann übe natürlich Dein komplettes Set sooft es Dir möglich ist.

Wenn Du wissen möchtest warum Du keine Haltungen auslassen solltest, dann lies doch unbedingt mal meinen Beitrag „Ashtanga Yoga, warum bist Du nur so strikt?“

Jetzt aber los, starte am Besten direkt morgen früh mit Deiner Homepractice!! Lass mich gerne daran teilhaben und berichte wie es Dir damit ergeht. Ich bin jetzt schon stolz auf Dich!!!

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